Montessori Schule Wiesbaden (Mai 2018)
Einladung:
Mittwoch 2.Mai, 18:30

Erlebnisabend an der Montessori Schule Wiesbaden

Gemeinsam mit Bärbel (Montessori-Lehrerin in Wiesbaden) wollen wir einen Abend verbringen, um die Montessori-Pädagogik kennenzulernen.
Dabei geht es nicht nur um das bloße Reden und Austauschen (das wird hoffentlich natürlich nicht zu kurz kommen), sondern um das Ausprobieren der praktischen Pädagogik. Wie fühlt es sich an, mit Montessori-Material zu arbeiten und zu lernen? Was für Potenzial steckt dahinter?
– Wir wollen ausprobieren, Neues lernen, Altes überdenken, miteinander ins Gespräch kommen… und auf diese Weise vertiefende Einblicke in die Montessori-Pädagogik erhalten.
Wir freuen uns auf zahlreichen Besuch!

 

Reisebericht:

 

„So, und nun dürft ihr die ganzen Fotos, Begriffe und Beschreibungen zu der Lebenskette von Maria Montessori zu ordnen“- sagt Bärbel und leert daraufhin in die Mitte des Stuhlkreises, in dem wir sitzen, eine sog. Themenbox (für die Freiarbeit) mit vielen kleinen, laminierten Kärtchen aus. – Es ist an diesem Abend unsere praktische Aufgabe in der Montessorischule Wiesbaden, wo sich 10 Studierende, aus verschiedenen Fachrichtungen kommend, für zweieinhalb Stunden mit der Montessori-Pädagogik beschäftigen.
Dieser Abend gab uns die Möglichkeit, sich vertiefend mit dieser Pädagogik auseinanderzusetzen und vielleicht das ein oder andere durchschnittliche Klischee über Montessori-Pädagogik abzulegen.

Zuerst lernen wir Maria Montessori als Frau und Wissenschaftlerin kennen, um überhaupt zu verstehen, wie und warum sie ihre eigene Pädagogik entwickelte.
Als studierte Kinderärztin entdeckte Montessori durch regelmäßige Besuche in Kinder-„Irrenanstalten“ (zur der Zeit war sie Assistenzärztin in einer Psychiatrischen Klinik und suchte potenzielle Patienten für eine Behandlung in ihrer Klinik) ihr Interesse für Pädagogik und bildete sich an der Uni darin fort. Selbst aus einem liberalen Elternhaus stammend, suchte sie nach einem Ansatz, der das Kind mit seinen Bedürfnissen in den Vordergrund stellt und nicht -wie damals praktiziert- das Kind mit Strenge und Autorität reglementierte.

Bärbel gibt uns nach dieser biographischen Einheit einen kleinen Überblick über die wichtigsten Grundbegriffe der Montessori-Pädagogik. Nennenswert wäre der selbsterklärende Ansatz „Das Kind als Baumeister seiner selbst“ oder die „Polarisation der Aufmerksamkeit“. Gerade die „Polarisation der Aufmerksamkeit“ ist ein zentraler Begriff. Montessori beobachtete bei Kindern, dass sie in freien Arbeitsphasen tief konzentriert ihrer Tätigkeit nachgehen. Das ist dann möglich, wenn die Kinder ihrem Interesse und ihrer Neugierde folgen und dadurch voller Konzentration in die Materie eintauchen. Bestimmte Bedingungen sind dabei notwendig: Freie Wahl des Materials; Bereitstellung einer geeigneten Umgebung; Vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre

Diese drei Bedingungen begegnen uns im Laufe des Abends immer wieder:
Das Montessori-Themenmaterial ist verpackt in Themenboxen, mit denen die Schüler*innen arbeiten dürfen/sollen. Die Rolle des Lehrers*in zeigt sich insofern, dass sie Bereitsteller der geeigneten Lernumgebung sind. Diese Haltung lässt sich auch kennenzeichnen durch den Begriff „Demut“- der Lehrer wird mehr als ein (demütiger) Lernbegleiter, als ein „Lernauffüller“ verstanden. „Sich selbst überflüssig machen und Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes haben“, nennt Bärbel diese Rolle.
Die vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre lernen wir noch bei einem Rundgang durch die Schule kennen. Es ist sehr auffällig, dass die Klassenzimmer und die Flure sehr wohnlich gestaltet sind. Starre Strukturen eines regelschulkonformen Klassenzimmers sucht man hier vergeblich.

Nach zweieinhalb Stunden ist die Runde inhaltlich gut mit Input versorgt worden. Bärbel hat es sicherlich geschafft, mit ihrer Begeisterung und Leidenschaft für die Montessori-Pädagogik den ein oder anderen anzustecken.
Und wenn wir irgendwann als fertig studierte Lehrämtler*innen nicht das Montessori-Diplom (1 ½ Jahre Zusatzausbildung) draufsetzen wollen- es bleibt sicherlich das Bewusstsein, wie notwendig es ist, eine ganzheitliche Pädagogik (im Sinne von Montessori) für seine zukünftigen Schüler*innen zu praktizieren.